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31 Aug 2014

Tag 4: Jivjany - Furth im Wald

Trotz aller Erfahrung bin ich ohne Tschechisches "Phrasebook" (Audio-Dings zum nachplappern) oder Kauderwelsch Taschenbuch los. Gott, sah ich alt aus bei meinen Kommukationsversuchen. So kam ich vermutlich wieder einmal wie der ignorante, arrogante Tourist herüber der das Gespräch in einer Fremdsprache beginnt (die Variation zwischen Deutsch, Französisch und Englisch macht da kein Unterschied). Dabei denke ich gerne von mir als Reisenden statt als Pauschahltourist... Satz mit X, schrieb Felix.
Ich hatte sogar vergessen, Kronen zu wechseln.
So war der Grund für meine Erleichterung mehr in meiner blauäugigen Art als im Land Tschechien zu suchen. Jedenfalls war ich froh mich wieder in einem Euroland dessen Sprache ich verstehe zu befinden.
Reisen ist (schöne) Arbeit und ich hatte diesmal nur die Hälfte meiner Hausaufgaben erledigt bevor ich mich ungeduldig auf den Weg machte.
Das Überschreiten einer von Menschen auf eine Landkarte gezeichneten Linie liess mir wieder einmal bewusst werden, dass man nie ausgelernt hat und sich hinter so manch' guter Eigenschaft oder Tugend eher ein stetiger Prozess als das einmalige Erlangung (Aquisition) versteckt.
Zurück auf den Asphalt: die heutige Route war kurz aber gut gewählt. Die Schönheit der Region, kaum Verkehr und eine Vielfalt von Belägen sorgten für eine exzellente Tour. Am Horizont ragten die Berge höher. Ich freue mich auf die Alpen, aber erstmal war ich froh dass mir die Wettervorhersage für einen total verregneten Sonntag die Entscheidung erleichterte einen Ruhetag unter einem festen Dach einzulegen.
So ging ich dann an diesem (noch) sonnigen Nachmittag, nachdem Bezug eines Gästezimmers, wie auf Gummibeine durch das Städtchen, setzte meinen wundgescheuerten Hintern auf einen Stuhl auf der nächsten Terrasse und da schreib' ich jetzt und beginn' schon die Vokale am Ende der Wörter wegzulassen im schönen Bayern. Prost!

Tag 3: Jesenice - Jivjany

Der heutige Tag war durchzogen. Ich spürte zunehmend die Kilometer in meinen Beinen und fand nur schwer meinen Rhythmus. Gegen Mittag begann es zu regnen trotz der prognostizierten geringen Niederschlagswahscheinlichkeit. Das gute am Gegenwind war, dass in der Richtung wo er herkam der Himmel heller war.
Die Gegend wurde zunehmend von Landwirtschaft geprägt. Es gab auffallend viele hopfenfelder. Ebenfalls auffallend war dass viele der kleinen Dörfern keinen Dorfladen zunsehen war. Selbstversorger? Im Zentrum vieler dieser Siedlungen war ein Teich angelegt neben dem oft die Kirche stand. Auf den Bänken welche man an dessen Ufern fand machte ich gerne Pause und lauschte dem Treiben im Dorf. Interessanter weise grüßten die älteren Bewohner kaum, ganz im Gegensatz zu den Jugendlichen. Jedenfalls gibt es keinen sich keinen aufdrängenden Grund über die nächste Generation zu lästern hier.
Auch diesen Abend konnte ich mein Zelt an einem kleinen See aufschlagen und genoss einen friedlichen Abend.

Tag 2: Vlcí Dul - Jesenice

Ich hätte wohl eine Feder fallen gehört wenn denn eine gefallen wäre an diesem Morgen als ich aufwachte. Der Wind hatte sich gelegt, die Hunde schliefen noch - Frieden, als die ersten Sonnenstrahlen mein (geliehenes) Zelt erleuchteten. Wie erwartet war mein Platz trocken geblieben und so machte ich mit der Morgensonne im Gesicht ins Tal schauend Frühstück.
Ich entschied mich das Erzgebirge zu verlassen und im flacheren Gelände, etwas weiter im Osten, Weg nach Süden zu machen um möglichst bald die Alpen zu erreichen.
Mein Weg führte mich durch die Stadt Most. Bevor ich das Zentrum erreichte kam ich an einigen Gruppen von Männern vorbei welche schon vor elf mit Bierflaschen auf dem Gehsteig standen. Etwas weiter im Park fragte ein Junge nach Feuer für eine nicht fertig gerauchte Kippe welche er vermutlich irgendwo aufelesen hatte. Ich gab ihm widerstrebend mein Feuerzeug während ich ihm versuchte ins Gewissen zu reden. Dies lies ein Lächeln auf dem Gesicht des vielleicht Zwölfjährigen aufblitzen während sein Blick die Selbstgedrehte in meiner Hand streifte.
Ich wechselte mir ein paar Kronen in der nächsten Bank, fuhr weiter und machte schließlich in Žatec Mittagsrast. Das Flair dieser Stadt war mir wesentlich sympathischer.
Die die Suche nach einem direkten Weg Richtung Süden handelte mir einige stärker befahrene Routen ein. Und so studierte ich die Karten von Neuem und nahm mir fest vor mehr von dem vorzüglichen tschechischen Radwegnetz Gebauch zu machen. Schließlich war ich etwas langsamer, dafür viel entspannter unterwegs.
Abends fand ich meinen zweiten super Platz zum übernachten. Diesmal neben einem See. Das platschen der springenden Fische war auffällig häufig und laut, dass ich mich fragte was für grosse Brocken und vor allem wieviele in dem See schwammen.
Der Anblick des reflektierenden Abendsonnenlichts welches ich mit einer Tasse Tee in der Hand genoss erinnerte mich an Abende welche ich vor knapp zwei Jahren in Polen erlebte. Das Licht der Dämmerung an einem Gewässer wirkt unglaublich beruhigend auf mich. Und mit der Ruhe kam der Schlaf.

Tag 1: Dresden-Vlcí Dul

Mit gemischten Gefühlen fuhr ich diesen Mittwoch morgen los von Dresden. Einerseits fühlte sich der Abschied von meinem teuren Freund Vineeth verfrüht an, die Stadt welche mir sehr ans Herz gewachsen ist macht das Weggehen gar nicht einfach. Andererseits war ich ungeduldig mit dem voll beladenen Wolter, nach ziemlich genau zwei Jahren, endlich wieder einmal mehrere aufeinanderfolgende Tage unterwegs zu sein.
So drängte ich los... richtung Altenberg, ins Erzgebirge.
Nach nach den ersten 50 km bekamen die Pedalen Spiel. Als es akut wurde hielt ich an, zückte den Imbusschlüssel und stellte fest das die Kurbeln satt gezogen waren. Stattdessen hatte sich das Lager gelöst. Ich sehe mich, wie die Nuss fürs Kurbellager in der Hand drehe beim Packen und mich schließlich entschieden hatte das Werkzeug zu Hause zu lassen (auf der letzten zehnmonatigen Reise hatte ich es nicht einmal gebraucht). Doch das Glück liess mich 100m vor einem Fahrradladen halten. Der Mechaniker nahm sich spontan Zeit, stellte fest, dass das Gewinde im Rahmen nach italienischer art geschnitten war, nicht aber das des Lagers. Dadurch kann sich ein nicht gut festgezogenes Gewinde durchs normale Treten lösen. Der Mechaniker zog seinen Gabelschlüssel mit angeschweisstem Verlängerungsrohr und ging mit ordentlich Dampf zur Sache. Ich befürchtete schon das das Gewinde den kurzeren zieht, aber der Profi meinte; "so sollte es trotzdem halten". Nebenbei erfuhr ich dass sein Kollege mit dem Rad kreuz und quer durch den Nahen Osten gefahren ist. Auf meine Frage nach Aufwandsentschädigung wurde ich auf die Kaffeekasse verwiesen, welche ich dann bediente. Einmal mehr durfte ich erfahren wie patent diese Erzgebirgler sein können. Der Umstand, dass jedes zweite Wahlplakat in dieser Region sich "NPD" liesst, liess mich nun denken warum wir nicht alle einfach nur Fahrrad fahren können?
Die Radwege gleich nach der Grenze, neben Zinnwald sind ein wahrer Traum. Abends fand ich einen perfekten Platz zum Übernachten, auf der Kuppe eines Osthangs. Die Abendsonne schien hin, die Morgensonne würde mich früh wecken und wärmen. Einige Laubbäume schützten den Platz vor Tau ohne die flache Sonneneinstrahlung zu hindern. Ausserdem befand ich mich abseits auf einem Feld, nahe des Waldes. Der Ausblick reichte weit ins Tal nach Tschechien hinein. Die Sonne im Rücken, den Blick auf die kommende Route unternahm ich meinen ersten Versuch ein Dahl (Limsengericht) auf meiem Benzinkocher zuzubereiten. Es gelang erstaunlich gut wenn man man die Regulationsschwierigkeiten (zwisch aus und verdammt heiss gibts nicht viel) des genannten kochers bedeckt und die Abwesenheit so manchen gängigen Küchenutensilien und Gewürzen. Wer Linsen mag sollte die unbedingt auf seinen Radreisespeiseplan setzen. Der Nährwert ist genial. Wassermässig ist es effizient (man braucht nicht viel und was verdampft ist nicht übermäßig). Linsen sind kompakt, haltbar und die orangen oder gelben Sorten kochen in 20 minuten. Aber die Details und Variationen der Zubereitung würden vermutlich Stoff für einen eigenen Blog bieten...
Mit dem Rauschen des Windes und dem Rascheln der Bäume in den Ohren begann meine erste Nacht draussen und ging der erste Tag unterwegs zu Ende.