Diese Pässe haben der Tour ordentlich Würze verliehen und ich durfte an deren Herausforderung wachsen.
Ich habe die Bilder nochmals sortiert und ein neues Fotoalbum angelegt wo nun auch die Chronologie stimmen sollte.
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cycling, bicycle, touring, travelling, voyage, self-sustained locomotion
Es war nicht klar ob ich in Bonaduz nach rechts abbiege um Chur in den Zug zu steigen oder ob ich mir den Oberalppass und den Sustenpass auch noch gebe. Ich hatte gerade ziemlich die Nase voll und der Gedanke an die Pässe allein gab mir weiche Knie.
Also Kaffepause in Bonaduz. Das Wetter gab mir nicht wirklich einen Vorwand um abzubrechen. Es würde wechselhaft bleiben, da kann man Glück oder Pech haben aber erfahrungsgemäß war die Prognose eher schlechter als das was am Ende wirklich war. Und der Gedanke endlich einmal eine lange Tour auf meiner eigenen Türschwelle zu beenden lässt mich nicht los.
Also nach links dann... Ich fand trotz schlechter Laune einen guten Rhythmus. Ich fuhr nun die Etappe am Oberrhein mit den Steigungen welche ich gestern noch ims Auge gefasst hatte. Nun war ich überzeugt due richtige Entscheidung getroffen zu haben und zu ruhen. Gestern wäre das eine Qual geworden, doch heute meinten die Beine; lecker! Hmmm, fein... Und so konnte ich die schöne Strecke entlang der Rheinschlucht auch genießen.
Vor dem Pass gabs noch eine kleine Spätsomnerschauer, welche mich kaum mehr durchnässte als mein eigener Schweiß. Danach hielt das Wetter. Nach Andermatt hinunter war eine schöne Talfahrt, danach Richtung Göschenen, Wassen nahm der Verkehr stark zu. Das Gefälle liess jedoch ein hohes Tempo zu und ich konnte die ganze Fahrspuhr in Anspruch nehmen ohne den Verkehr aufzuhalten.
Die Berglandschaft im Kanton Uri ist bisher wohl die gewaltigste. Die Gipfel welche das klamme Tal flankieren ragen steil in den Himmel.
In Wassen nahm ich mir ein Zimmern. Hier bin ich perfekt positioniert um am folgenden Tag den Sustenpass in Angriff zu nehmen.
Also erstmal das Frühstückbuffet leerräumen. Müsli, Eier, Brot, Käse, Wurst Honig, viel Butter, Saft, Kaffee... Von allem habe ich auf den Teller gestapelt und ordentlich. Nach der Verdauungspause gegen neun gings dann los, das Engadin hinauf. Und nun zum dritten Mal floss neben mir der Inn.
In la Punt stand dann; "Albulapass geschlossen". Grosses Fragezeichen...
Es stellte sich dann heraus, dass an genau diesem Tag im Jahr der Albulapass für motorisierten Verkehr (E-bikes ausgenommen) geschlossen ist. Slow Up, nennt sich der Anlass. Nicht nur dass keine Stinker und Lärmer auf der Strasse sind, man wird auch noch verpflegt mit Rivella, Äpfel, Farmer Riegel u.s.w. Das traf sich gut, denn mein Fresssack war ziemlich leer, Geld abheben konnte ich bisher noch nicht und im Engadin ist Sonntag auch noch wirklich Ruhetag, alles zu...
Es war lustig und anspornend mit all diesen Radfahrern den Pass zu fahren. Im letzten viertel holte mich Christian ein und wir quatschen während den letzen Kilometer.
In Thusis fand ich endlich einen Postomat - der nicht ging. Ich hätte mich in der Arsch beißen können statt der Raiffeisenkarte eine nicht funktionstüchtige Visakarte eingepackt zu haben. Erst dank der trickreichen und hilfsbereiten Damen im Tourismusbüro am Bahnhof kam ich dann doch noch zu Barem.
Ich war hin und hergerissen noch ein paar Kilometer zu fahren um dem Oberalppass etwas näher zu kommen. Aber meine Beine schrien Erbarmen und so ging ich schon vor fünf auf den Zeltplatz.
Heute stand der Ofenpass auf dem Programm. Das heisst bis Glurns war einfahren. Radbahn, durch pittoreske Landschaft.
Diesmal wusste ich wie hoch hinauf ich muss, aber auch wenn man es im voraus weiss, am Ende muss man es einfach fahren.
Ich machte viele Pausen diesmal, unter anderem um den Regen abzuwarten. Mir lief dann die Zeit davon und so musste ich dran bleiben. Der Anstieg geht etappenweise und ein grossteil der Höhenmeter werden auf den letzten paar Kilometer überwunden. Ich suchte eine höhere Übersetzung, aber der Schaltgriff war schon am anschlag. Diesmal war ich einfach nur froh oben angekommen zu sein. Ich stelle das rad ab und ging die letzten paar Meter über die Kuppe.
Campieren ist überall verboten hier, besonders im Nationalpark kurz nach dem Pass. Der park ist allerdings von einer atemberaubenden Wildheit. Die letzten Sonnenstrahlen tauchten die Szenerie in ein sonderbar schönes Zwielicht. Es war ein sehr emotionaler Moment.
Ich hatte gehofft das Rad bis nach Zernez laufen lassen zu können. Aber die letzten 20 Kilometer erschöpften mich komplett.
Es war gerade dunkel geworden als ich endlich Zernez erreichte. Vor dem Zeltplatz stieg ich in einem Bed &Breakfast ab und schlief bald wie ein Stein.
Nachdem es vermutlich die ganze Nacht durch geregnet hat, schlossen sich des Himmels Schleusen dann kurz nach der Dämmerung. Das Zelt war an diesem nebligen Morgen nicht mehr trocken zu kriegen, aber wer hätt's gedacht, mir fiel den ganzen tag keinen Tropfen mehr auf den Kopf.
Die Alz (der Fluss) führte mich am Altmarkt an der selbigen vorbei. Dort ist auch ein Wasserschloss mit der Traun. Diese wiederum brachte mich an Traunreut vorbei und schließlich nach Traunstein. Sind.sie nicht herrlich diese Auennamen?
Traunstein liegt übrigens neben dem See welcher gleich benamselt ist wie so gewisse Kleider. Ja, der Chiemsee. Sind sie nicht lustig diese Markennamen? Ausserdem liegt Traunstein auch direkt vorm Gebirge. Also machte ich da Mittagspause und als ich schon dachte ich fahre den dritten Tag ohne Sonnenbrille, rate mal wer hinter den Wolken hervorkuckt?
Der restliche Weg führte größten teils durch ein Naturschutzgebiet in den östlichen Chiemgauer Alpen. (oh ja, heute krieg ich nicht genug von diesen Namen ;). Die Route war wunderschön. Die drei Seen im Reservat waren von einem glasklaren türkis-blau, die Bäche waren kristallklar... ja, ich muss in den Alpen angekommen sein.
Mein Rastplatz heute liegt neben eben einem dieser Bächlein, so kommt es, dass ich blitz-blank sauber in meinem Zelt hocke. Und um die Idylle mit dem rauschen des Wassers und den zirpenden Grillen komplett zu machen, dröhnt unten vom Walchsee toller Blues vom schlampig gespielten Elektronischen Klavier. Was will man mehr?
Nicht einfach nach einem Tag wie gestern etwas lohnenswertes zum aufschreiben zu finden.
Radfahreralltag...
Das Timing mit dem Übernachtungsplatz war perfekt kaum hatte ich das Zelt aufgestellt begann es zu regnen. Ebenfalls fällt es mir diese Tage nicht einfach einen platz zu finden in diesem dichten Strassennetz wo man nicht immer das rauschen der Motorfahrzeuge in den Ohren hat. Bin jedoch so müde, dass mich das kaum stören wird.
Trotz aller Erfahrung bin ich ohne Tschechisches "Phrasebook" (Audio-Dings zum nachplappern) oder Kauderwelsch Taschenbuch los. Gott, sah ich alt aus bei meinen Kommukationsversuchen. So kam ich vermutlich wieder einmal wie der ignorante, arrogante Tourist herüber der das Gespräch in einer Fremdsprache beginnt (die Variation zwischen Deutsch, Französisch und Englisch macht da kein Unterschied). Dabei denke ich gerne von mir als Reisenden statt als Pauschahltourist... Satz mit X, schrieb Felix.
Ich hatte sogar vergessen, Kronen zu wechseln.
So war der Grund für meine Erleichterung mehr in meiner blauäugigen Art als im Land Tschechien zu suchen. Jedenfalls war ich froh mich wieder in einem Euroland dessen Sprache ich verstehe zu befinden.
Reisen ist (schöne) Arbeit und ich hatte diesmal nur die Hälfte meiner Hausaufgaben erledigt bevor ich mich ungeduldig auf den Weg machte.
Das Überschreiten einer von Menschen auf eine Landkarte gezeichneten Linie liess mir wieder einmal bewusst werden, dass man nie ausgelernt hat und sich hinter so manch' guter Eigenschaft oder Tugend eher ein stetiger Prozess als das einmalige Erlangung (Aquisition) versteckt.
Zurück auf den Asphalt: die heutige Route war kurz aber gut gewählt. Die Schönheit der Region, kaum Verkehr und eine Vielfalt von Belägen sorgten für eine exzellente Tour. Am Horizont ragten die Berge höher. Ich freue mich auf die Alpen, aber erstmal war ich froh dass mir die Wettervorhersage für einen total verregneten Sonntag die Entscheidung erleichterte einen Ruhetag unter einem festen Dach einzulegen.
So ging ich dann an diesem (noch) sonnigen Nachmittag, nachdem Bezug eines Gästezimmers, wie auf Gummibeine durch das Städtchen, setzte meinen wundgescheuerten Hintern auf einen Stuhl auf der nächsten Terrasse und da schreib' ich jetzt und beginn' schon die Vokale am Ende der Wörter wegzulassen im schönen Bayern. Prost!
Der heutige Tag war durchzogen. Ich spürte zunehmend die Kilometer in meinen Beinen und fand nur schwer meinen Rhythmus. Gegen Mittag begann es zu regnen trotz der prognostizierten geringen Niederschlagswahscheinlichkeit. Das gute am Gegenwind war, dass in der Richtung wo er herkam der Himmel heller war.
Die Gegend wurde zunehmend von Landwirtschaft geprägt. Es gab auffallend viele hopfenfelder. Ebenfalls auffallend war dass viele der kleinen Dörfern keinen Dorfladen zunsehen war. Selbstversorger? Im Zentrum vieler dieser Siedlungen war ein Teich angelegt neben dem oft die Kirche stand. Auf den Bänken welche man an dessen Ufern fand machte ich gerne Pause und lauschte dem Treiben im Dorf. Interessanter weise grüßten die älteren Bewohner kaum, ganz im Gegensatz zu den Jugendlichen. Jedenfalls gibt es keinen sich keinen aufdrängenden Grund über die nächste Generation zu lästern hier.
Auch diesen Abend konnte ich mein Zelt an einem kleinen See aufschlagen und genoss einen friedlichen Abend.
Ich hätte wohl eine Feder fallen gehört wenn denn eine gefallen wäre an diesem Morgen als ich aufwachte. Der Wind hatte sich gelegt, die Hunde schliefen noch - Frieden, als die ersten Sonnenstrahlen mein (geliehenes) Zelt erleuchteten. Wie erwartet war mein Platz trocken geblieben und so machte ich mit der Morgensonne im Gesicht ins Tal schauend Frühstück.
Ich entschied mich das Erzgebirge zu verlassen und im flacheren Gelände, etwas weiter im Osten, Weg nach Süden zu machen um möglichst bald die Alpen zu erreichen.
Mein Weg führte mich durch die Stadt Most. Bevor ich das Zentrum erreichte kam ich an einigen Gruppen von Männern vorbei welche schon vor elf mit Bierflaschen auf dem Gehsteig standen. Etwas weiter im Park fragte ein Junge nach Feuer für eine nicht fertig gerauchte Kippe welche er vermutlich irgendwo aufelesen hatte. Ich gab ihm widerstrebend mein Feuerzeug während ich ihm versuchte ins Gewissen zu reden. Dies lies ein Lächeln auf dem Gesicht des vielleicht Zwölfjährigen aufblitzen während sein Blick die Selbstgedrehte in meiner Hand streifte.
Ich wechselte mir ein paar Kronen in der nächsten Bank, fuhr weiter und machte schließlich in Žatec Mittagsrast. Das Flair dieser Stadt war mir wesentlich sympathischer.
Die die Suche nach einem direkten Weg Richtung Süden handelte mir einige stärker befahrene Routen ein. Und so studierte ich die Karten von Neuem und nahm mir fest vor mehr von dem vorzüglichen tschechischen Radwegnetz Gebauch zu machen. Schließlich war ich etwas langsamer, dafür viel entspannter unterwegs.
Abends fand ich meinen zweiten super Platz zum übernachten. Diesmal neben einem See. Das platschen der springenden Fische war auffällig häufig und laut, dass ich mich fragte was für grosse Brocken und vor allem wieviele in dem See schwammen.
Der Anblick des reflektierenden Abendsonnenlichts welches ich mit einer Tasse Tee in der Hand genoss erinnerte mich an Abende welche ich vor knapp zwei Jahren in Polen erlebte. Das Licht der Dämmerung an einem Gewässer wirkt unglaublich beruhigend auf mich. Und mit der Ruhe kam der Schlaf.
Mit gemischten Gefühlen fuhr ich diesen Mittwoch morgen los von Dresden. Einerseits fühlte sich der Abschied von meinem teuren Freund Vineeth verfrüht an, die Stadt welche mir sehr ans Herz gewachsen ist macht das Weggehen gar nicht einfach. Andererseits war ich ungeduldig mit dem voll beladenen Wolter, nach ziemlich genau zwei Jahren, endlich wieder einmal mehrere aufeinanderfolgende Tage unterwegs zu sein.
So drängte ich los... richtung Altenberg, ins Erzgebirge.
Nach nach den ersten 50 km bekamen die Pedalen Spiel. Als es akut wurde hielt ich an, zückte den Imbusschlüssel und stellte fest das die Kurbeln satt gezogen waren. Stattdessen hatte sich das Lager gelöst. Ich sehe mich, wie die Nuss fürs Kurbellager in der Hand drehe beim Packen und mich schließlich entschieden hatte das Werkzeug zu Hause zu lassen (auf der letzten zehnmonatigen Reise hatte ich es nicht einmal gebraucht). Doch das Glück liess mich 100m vor einem Fahrradladen halten. Der Mechaniker nahm sich spontan Zeit, stellte fest, dass das Gewinde im Rahmen nach italienischer art geschnitten war, nicht aber das des Lagers. Dadurch kann sich ein nicht gut festgezogenes Gewinde durchs normale Treten lösen. Der Mechaniker zog seinen Gabelschlüssel mit angeschweisstem Verlängerungsrohr und ging mit ordentlich Dampf zur Sache. Ich befürchtete schon das das Gewinde den kurzeren zieht, aber der Profi meinte; "so sollte es trotzdem halten". Nebenbei erfuhr ich dass sein Kollege mit dem Rad kreuz und quer durch den Nahen Osten gefahren ist. Auf meine Frage nach Aufwandsentschädigung wurde ich auf die Kaffeekasse verwiesen, welche ich dann bediente. Einmal mehr durfte ich erfahren wie patent diese Erzgebirgler sein können. Der Umstand, dass jedes zweite Wahlplakat in dieser Region sich "NPD" liesst, liess mich nun denken warum wir nicht alle einfach nur Fahrrad fahren können?
Die Radwege gleich nach der Grenze, neben Zinnwald sind ein wahrer Traum. Abends fand ich einen perfekten Platz zum Übernachten, auf der Kuppe eines Osthangs. Die Abendsonne schien hin, die Morgensonne würde mich früh wecken und wärmen. Einige Laubbäume schützten den Platz vor Tau ohne die flache Sonneneinstrahlung zu hindern. Ausserdem befand ich mich abseits auf einem Feld, nahe des Waldes. Der Ausblick reichte weit ins Tal nach Tschechien hinein. Die Sonne im Rücken, den Blick auf die kommende Route unternahm ich meinen ersten Versuch ein Dahl (Limsengericht) auf meiem Benzinkocher zuzubereiten. Es gelang erstaunlich gut wenn man man die Regulationsschwierigkeiten (zwisch aus und verdammt heiss gibts nicht viel) des genannten kochers bedeckt und die Abwesenheit so manchen gängigen Küchenutensilien und Gewürzen. Wer Linsen mag sollte die unbedingt auf seinen Radreisespeiseplan setzen. Der Nährwert ist genial. Wassermässig ist es effizient (man braucht nicht viel und was verdampft ist nicht übermäßig). Linsen sind kompakt, haltbar und die orangen oder gelben Sorten kochen in 20 minuten. Aber die Details und Variationen der Zubereitung würden vermutlich Stoff für einen eigenen Blog bieten...
Mit dem Rauschen des Windes und dem Rascheln der Bäume in den Ohren begann meine erste Nacht draussen und ging der erste Tag unterwegs zu Ende.